2018 – Ein Jahr in der Stadt Graz

2018 – Ein Jahr in der Stadt Graz

Ein Standortbericht von INDES Graz 2018

Manchmal kann es vorkommen, dass die Kluft zwischen Vorhaben und Praxis nicht so weit auseinander scheint, wie sie in Wirklichkeit ist. Weniger kryptisch formuliert bedeutet das, dass es dieses Mal einen Jahres-, statt einen Semesterbericht aus Graz gibt. Wenn man drüber nachdenkt und ein Jahr Revue passieren lässt, wird einen bewusst wie viel in einem Jahr passieren kann und dass mein ich in diesem Fall sehr positiv. Es fing voll an, wurde voller und nahm langsam zu Jahresende ab.

Natürlich gab es anfangs gleich unsere Ordentliche Mitgliederversammlung (OMV), wo wir unseren Vorstand um den Quartiermeister Lukas erweitert haben … auch wenn es bis Dezember gedauert hat bis die Bürokratie gesiegt hat. Anfang des Jahres hatten wir auch einen sehr lustigen und informativen Erste Hilfe Kurs geleitet von unserem Vereinsdoktor Richi. Im Februar wurde jedes Wochenende gefochten, entweder bei uns oder auswärts. Dazwischen hatten wir ein grandioses Faschingsfechten, welches jetzt schon Traditionsstatus hat. Wenn man sich fragt, warum es so super war, kann ich nur sagen, wenn Yoda gegen einen betrunken Rüpel, Pinocchio gegen Gandalf oder wenn ein Franzose gegen Achilles kämpft, dann ist das ein Schauspiel, was man gerne wiederholt. Im März hatten wir dann ein cooles Meyer-Seminar mit dem charmanten Roman Vučajnk, wo es ganz um die List von Meyer mit verschiedensten Waffen ging.

Gleichzeitig ist es schon sehr zugegangen in der Vorbereitung für die ÖM, die wir im Mai abhalten durften. Für Details kann ich auf den dazugehörigen Federspielbeitrag verweisen. Auf dem Weg Richtung Sommer haben wir gleich noch eine Tradition gegründet: Das B5 – ein paar Tage auf einer Almhütte, mit Fechtplatz, Bogenschießplatz, einem intriganten Mini-Larp und einer Schnitzeljagt, bei der buchstäblich die Banner geflogen sind. Öffentlichkeitsarbeit wurde dieses Jahr auch wieder durch das Augartenfest geleistet, mehr dazu unten in einem Artikel von Bettina.

Das noch nicht ganz abgeschlossene Wintersemester startete mit unserem Schnuppertag “Klingen und Ringen“ und einen Seitschwertseminar gehalten von den drei sympathischen Italienern: Aaron, Daniele und Giulio. Das war auch das letzte Fechtevent für 2018, es folgten aber viele gute Trainingseinheiten und Theoriediskussionen und zwei wunderbare Feiern im Dezember: Die Weihnachtsfeier und Silvester und wie es sich für einen Jahresausklang würdig ist, wurde ein Festmahl getischt. Raclette und Suppenfondue, dazu wurden Hopfen und Traubensäfte aus den besten Regionen gereicht.

Ich möchte das Jahr mit unserer OMV beenden, wo wieder viele motivierte Mitglieder teilgenommen und mitgearbeitet haben. Neben dem spannenden gesetzlich verpflichtenden Teil gab es tolle recaps aus dem HQ von Lukas und Julia, der Spieleabende vom Richi und der Trainingsbesuche vom Steve. Von Michi ist auch ein schönes Buchprojekt vorgestellt worden, für das wir ihn alles Gute wünschen. Zwei Gesprächsrunden hatten wir auch, einmal von Elena und Alex über Frauen in HEMA, welche so einen guten Anklang gefunden hat, dass wir bald einen eigenen Diskussionsabend zu diesem wichtigen Thema veranstalten werden. Die zweite Gesprächsrunde war von Max und Ko (mit Redehellebarde) geleitet und befasste sich mit dem Trainingsfeedback. Von meiner Seite darf ich mich an alle oben genannten bedanken genauso wie beim restlichen Vorstand der trotz vortägigen Trinkgelage beim Spieleabend, motiviert am Vormittag alle Vorbereitungen getroffen hat um eine gute OMV abzuhalten und all den Helfern die uns dabei unterstützt haben.

Weiteres darf ich mich auch ganz herzlich bei all jenen bedanken, die uns in diesem Jahr unterstützt und geholfen haben, ohne ihre Leistungen würden wir weit nicht so viel im Verein unternehmen und erreichen können und es ist unter anderem auch diese Hilfsbereitschaft, die INDES zu so einen schönen Verband von Menschen macht.

Weil ein Jahr zusammengefasst in grob 400 Wörtern doch recht wenig ist, folgen unten noch ein paar Erlebnisberichte von Events im Jahre 2018 von anderen Mitgliedern.

Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr und hoffe ihr erreicht das, was ihr euch vorgenommen habt.

 

Georg Schatzdorfer - Graz, Jänner 2019






INDES Graz 2018 - In Daten

  • Aktuell 72 ordentliche Mitglieder, davon 14 Frauen und 6 Jugendliche
  • 14 TrainerInnen
  • 10 verschiedene Waffengattungen
  • 358 gehaltene Trainings
  • 158 verschiedene Personen beim Training
  • 2362 Besuche bei Trainings
  • 3936 Stunden trainiert
  • 6 Fechtevents veranstaltet mit insgesamt 340 Teilnehmenden
  • Ca. 2000 Liter (oder 13 Badewannen zu 150l) an Bier o.Ä. Säften getrunken

Poesie vom B5

Geschrieben von Cornelia “Con“ Schwingenschlögel
Zeichnungen und lateinischer Spruch von Johannes Neuwirth

Ein Kennenlernen – Rückblick des Augartenfestes 2018

Auch diese Jahr war INDES Graz wieder auf dem Augartenfest vertreten. Neben unserem Informationsstand mit „Übungsplatz, hatte INDES Graz außerdem die Möglichkeit für zwei tolle Auftritte auf der Bühne.

Die Auftritte fanden einmal Vormittags und Nachmittags statt, wo Georg, Hubert, Michi und Flo eine absolut geniale Show zum Besten gegeben haben. Das ganze wurde abwechselnd von Hubert und Michi während der Demonstration moderiert. Es gab jeweils einmal eine Vorführung einer technischen Übungseinheit, also langsames Freifechten, sowie einer Vorführung in voller Schutzausrüstung, um zu zeigen war wir drauf haben wenn es so richtig zur Sache geht. Das Publikum war sichtlich begeistert. Die obligatorische Frage ob wir „Ritter“ seien, kam natürlich auch wieder ;-P.

Hubert und Georg haben zuerst mit dem langen Schwert bzw. Federn in langsamem Tempo verschiedene Techniken vorgeführt. Armringen, Winden, Haue, Stiche waren derart flüssig und intuitiv abgestimmt, dass man kaum glauben kann, dass die beiden das nicht vorher schon wochenlang choreographisch einstudiert haben und das praktisch aus dem Ärmel zaubern konnten.

Mit voller Schutzmontur ging es dann etwas schlagkräftiger zu, auch das gelang den Beiden mühelos und war beeindruckend anzusehen.

Michi und Flo haben anschließend ebenfalls erst langsames Freifechten und dann Fechten in voller Montur vorgeführt und zwar mit dem Schwert und dem Buckler.
Da die meisten Leute noch nie etwas von dieser Waffengattung gehört oder etwas gesehen haben (definitiv unterrepräsentiert in Filmen), war das auch äußerst lehrreich und interessant für das Publikum. Fragen kamen teilweise aus den Reihen, auch an mich als Zuschauer. Schwert und Buckler scheint offensichtlich immer noch eher ein Exot unter den allgemein bekannten historischen Waffen zu sein. Deswegen ist es natürlich toll, wenn mehr Menschen auch einmal diese tolle Fechttechnik zu Gesicht bekommen. Michi und Flos Vorführung von verschiedenen Schwert und Buckler Techniken und das freie Gefecht in Schutzausrüstung waren absolut klasse.

Auch gab es wieder reichlich Interesse an unserem Informationsstand, wo wir groß und klein über unseren Verein informierten; auf dem Übungsplatz konnte man auch sofort loslegen und sich einen praktischen Einblick in die Kunst des historischen Fechtens machen.

Vor allem viele Kinder waren, wie auch schon im letzten Jahr, absolut begeistert und mit vollem Elan dabei. Die meisten waren überhaupt nicht mehr zu bändigen, was dann teilweise ein etwas strengeres Eingreifen seitens der „Kinderbetreuer“ benötigte – wie auch schon die Erfahrung aus dem letzten Jahr bestätigt, wir brauchen dringend mehr Schaumstoffknüppel :-P, es sind immer zuwenig vorhanden. Glücklicherweise waren die kleinen Racker relativ leicht mit ein paar gekonnten Fechthieben zu besänftigen (liebevoll natürlich).

Spannend und erstaunlich dabei war, dass die Kinder relativ schnell begriffen hatten, dass wildes Herumprügeln weit weniger effektiv ist, wie gekonntes und besonnenes „fechten“. Es war richtig schön anzusehen, wie die in Ninjastyle herumhüpfenden kleinen Rabauken plötzlich zu Minifechtern mutierten.
Richtig super, dass INDES Graz ab Wintersemster 2018 ein Kindertraining haben wird.

Insgesamt war unsere Präsenz am Augartenfest echt ein Erfolg und wir freuen uns schon beim im nächsten Jahr wieder dabei sein zu können.

 

- Bettina Miriam Sehner






Resümee eines Montanteseminars

Als unsere Horde dieses Jahr zum Dreynevent in die imperiale Hauptstadt, also Wien, aufbrach, sollte ich das erste Mal die Gelegenheit erhalten, an einem Montanteseminar teilzunehmen. Inzwischen wurden von einigen Mitgliedern des Vereins bereits Montantewaster gekauft. Dies ist der erste Schritt in der wünschenswerten Entwicklung, das Spektrum des Vereins um den Bidenhänder zu erweitern.

Das Seminar beim Dreynevent gestaltete sich folgendermaßen: Da ich ein wenig zu spät in der Halle eintraf und unser Trainer seine Waster schon verteilt hatte, trainierte ich vorerst mit einem Besenstiel. Dieser hatte für das Training jedoch die eine oder andere erhebliche Schwäche, denn er hatte weder eine lange noch eine kurze Schneid. Außerdem hatte er mit einem Montante auch sonst nichts gemeinsam.

Glücklicher weise hatte ein Kamerad einen Bidenhänder aus Stahl übrig, der mir mit Griff bis unter das Kinn reichte. Er selbst nutzte ihn wohl nicht wegen des hohen Gewichts, das dieses eindrucksvolle Schwert auf die Waage brachte. Nun da endlich das richtige Montante-feeling aufkam, war das Seminar gerettet.

Die Übungen gestalteten sich zunächst ein wenig meditativ. Dieser Umstand mag auf den ersten Blick vielleicht überraschen, bei näherer Betrachtung aber ergibt er sich aus folgendem Grund: das Montante ist zu groß und zu schwer um es aus den Armen selbst zu schwingen. Man nutzt für den Hieb die gesamte Rumpf- und Beinmuskulatur durch Schwünge mit der Hüfte. Man streicht zu Beginn das Schwert nach oben, um danach das Eigengewicht der Waffe zu nutzen, um Geschwindigkeit aufzubauen. Anstatt aber das Montante wieder Richtung Boden zu lenken, zieht man es in einen Mittelhau und lässt diesen solange laufen, bis der Körper den natürlichen Endpunkt der Bewegung anzeigt. Von dieser Position aus wird der nächste Mittelhau zur anderen Seite geführt, wo dasselbe Prozedere von vorne beginnt.

Dies ist eines der Geheimnisse des Montante: die Arme geben nur die Richtung vor, die Kraft die Waffe zu führen kommt aus dem Körper.

Die erste Übung ist auch deshalb von grundsätzlicher Wichtigkeit, um die notwendige Geschwindigkeit für Folgetechniken aufzubauen. Der nächste Schritt war die Bewegung mit der Waffe. Anstatt das Schwert ständig horizontal von einem Mittelhau in den nächsten zu führen, zieht man das Montante über den Kopf, wo man eine Art Schleife vollführt. Die Haue werden in dieser Übung stets mit der langen Schneid geschlagen. Wenn sich das Montante am höchsten Punkt befindet, geht der erste Hieb in den zweiten über und es ist an der Zeit den Schritt zu machen. So kann man sich nun durch den Raum bewegen, den Blick beim Hau immer über den Parierring oder den Ort des Bidenhänders gerichtet. Dabei führt man unablässig Hiebe, mal auf Höhe des Halses, mal auf Höhe der Knie. Der Schutz für einen selbst ergibt sich aus der ständigen Bewegung und der Reichweite der unaufhaltsamen Klinge.

Das ist ein weiteres Geheimnis: das Montante muss immer in Bewegung bleiben.

In der nächsten Übung widmeten wir uns einem historischen Szenario, das in der Quelle selbst genannt wurde. Es handelte sich um die Verteidigung des eigenen Mantels, den man abwerfen musste, um das Montante gegen Straßenräuber zu führen.  Um den Mantel zu schützen, verharrt der linke Fuß andauernd auf einem Punkt, wir müssen uns jedoch mit Richtungswechseln zu allen Seiten gegen das räuberische Pack verteidigen, das uns umzingelt hat. Aus diesem Grund sind ständige Richtungswechsel notwendig um unseren Rücken schützen und Distanz zu gewinnen. So kann man sich selbst gegen eine zahlenmäßige Übermacht zur Wehr setzen. Jeder der den tödlichen Radius der Klinge betritt und nicht rechtzeitig zu fliehen vermag, wird ohne Wenn und Aber niedergestreckt.

Dies ist eher ein offenes Geheimnis: das Montante ist die richtige Waffe für ein mörderisches Gemetzel aus dem keiner der Beteiligten heil wieder herauskommt. Deshalb legt man sich am besten nicht mit dem Kerl mit dem riesengroßen Schwert an. Dieses „Geheimnis“ hat also auch eine psychologische Komponente dabei.

Die Abschlussübung war gleichzeitig auch der Höhepunkt des Seminars. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt, die je einen Montantero umzingelten und dann mit verschiedensten Waffen gegen ihn vorgingen. Ziel war es die Waffen in seinen Hau zu halten und ihn gut einzukreisen, sodass er nie in nur eine Richtung wirken konnte, ohne zu riskieren gemeuchelt zu werden. So baute der Montantero abrupte Richtungswechsel ein und hielt seinen Bidenhänder immer in Bewegung, um die Meute in Schach zu halten. Dies war keine leichte Aufgabe, sie machte allerdings unglaublichen Spaß. Auch wenn die Übung mit kameradschaftlicher Rücksichtnahme und Fairness ausgeführt wurde, kam doch schon ein wenig die passende Stimmung für einen Straßenkampf mit kaltem Stahl in einer Seitengasse einer mittelalterlichen Kleinstadt auf. An dieser Stelle möchte ich unserem Trainer mein höchstes Lob aussprechen.

Abschließend möchte ich sagen, dass das Montante eine sehr interessante und spannende Waffe ist. Es lohnt sich in jedem Fall, sich näher mit ihr auseinander zu setzen. Ich freue mich bereits auf die nächste Gelegenheit, wieder ein Montante zu führen.

 

- Johannes Neuwirth

Special thanks:

Image in header painted by Bettina Miriam Sehner
(inspired by Peter Johnsson)

Updated: 1. Februar 2019 — 20:55