[Was war] INDES – eine kurze Geschichte darüber ob früher alles besser war

[Was war] INDES – eine kurze Geschichte darüber ob früher alles besser war

Über die Entstehung unserer Vereine und des Verbandes INDES

Früher war alles besser. So heißt es oft. Wagen wir eine Reise zurück in der Zeit, um einen Blick auf die Anfänge von INDES zu werfen. Anfang dieses Jahrtausends könnte man den Startschuss sehen, eine Art Kärntner Urknall, der sich im liebevoll als „Dorfers Dungeon“ bezeichneten Keller der Dorfer Familie ereignete, als eine Handvoll begeisterter Freunde beschlossen, Schwerter zu bestellen. Unter ihnen waren auch unsere beiden heutigen Trainingsortleiter Marcel Dorfer und Ingulf Popp-Kohlweiss. Gemeinsam hatten sie hunderte von Stunden damit verbracht in einem Rollenspiel namens „Das Schwarze Auge“ Räuber, Orks, Dämonenpaktierer und manchmal auch sich gegenseitig mit Schwertern heiße Gefechte zu liefern. „Bestellen wir doch Schwerter und probieren wir es aus!“. Gesagt getan.

Doch… bis im Internet bestellte Schwerter geliefert werden dauert es bekanntlich oft etwas länger und so wurden schon im Vorfeld Schwerter aus Holz, abgebrochenen oder abgeschnittenen Eishockeyschlägern gebaut und mit liebevollen Namen wie „Zerstörer“ oder „Töter“ versehen. Von Fechtbüchern war weit und breit keine Spur, vielmehr wurde auf die Wing Tsung Erfahrungen von Marcel Dorfer gesetzt, der größtenteils die damaligen Trainings leitete. Um Fallschule und allgemeine Körperbeherrschung zu trainieren wurden von seinem Bruder Manuel Dorfer spielerische Elemente aus dem Wrestling eingebaut. Ja Wrestling wie WWF (World Wrestling Federation) oder Hulk Hogan.

Von einem Verein INDES war damals und auch in den folgenden Jahren noch nicht die Rede. Das anfängliche Kampfkunsttraining in Klagenfurt stand vielmehr in enger Verbindung mit dem Verein Soldknechte Compania Carantania (www.soldknechte.at), der Schaukampfvorführungen in mittelalterlicher Gewandung auf Mittelalterfesten vorführte. Bald stieß Martin Sereinig, späterer Gründer von INDES Graz, zu den Soldknechten und brachte sich mit vollen Engagement für den Verein ein. Freie Gefechte in Rüstung, auch der „Schwertkampf schwer“ genannt, wurden in regelmäßigen Abständen trainiert. Oft wurde im Freien vor dem Haus der Dorfers trainiert, erst mit der Zeit fanden sich Hallen, für welche man besonders im Winter dankbar war.

Mit der Zeit entwickelte sich das Trainingssystem. Auf Seminaren traf man sich mit anderen historischen Fechtern, man untersuchte und interpretierte historische Fechtbücher und arbeitete am eigenen Wissen und Können. Die anfangs im Training verwendeten Holzschwerter ohne Parierstangen wurden durch Stahlklingen oder Holzschwerter mit Parierstangen ausgetauscht. Marcel Dorfer begann mit Erfolg seine ersten Seminare unter dem Begriff „Schwertkampf Marcel Dorfer“ anzubieten.

Aus Studiengründen verschlug es Ingulf Popp-Kohlweiss nach Salzburg und Martin Sereinig nach Graz. Sie wollten beide das Schwertkämpfen nicht sein lassen und so entwickelten sich um sie Gruppen von begeisterten historischen Fechtern. Mittlerweile hatte man begonnen auch andere Waffengattungen wie Dolch und Stock zu trainieren. Die Trainingszeiten, die zu Beginn nur zwei Mal wöchentlich angesetzt waren, steigerten sich. Bis zu neun Mal pro Woche wurde trainiert. Erste Kurse zu mittelalterlichem Schwertkampf auf den Universitätssportinstituten wurden angeboten und ermöglichten vielen Studenten diese vergessene Kampfkunst zu erlernen.

Da viele der neu hinzugekommenen Trainierenden keine Mitglieder der Soldknechte waren und auch nicht beabsichtigten solche zu werden, entstand die Idee für das Kampfkunsttraining eigene Vereine zu gründen. Im März 2009 wurde offiziell INDES Salzburg gegründet, kurz darauf folgten INDES Graz und INDES Klagenfurt. Drei Vereine an unterschiedlichen Standorten, die doch ein gemeinsames Ziel verband: Die historische europäische Kampfkunst als moderne Sportart wieder zu beleben, in unsere Kultur zu integrieren und mit ihr vielen Menschen Freude an Bewegung und an gemeinsamer Beschäftigung zu vermitteln und zu ermöglichen.

Mit 2011 fand INDES einen vierten Trainingsort mit neuen motivierten Mitgliedern in Linz. Neue Streiter für die Belebung eines alten Kulturgutes. Viele von ihnen waren Mitglieder eines Mittelaltervereins Draconis Cognatio (http://www.draconis.at). Ähnlich der Verbindung zwischen INDES und den Soldknechten entstand auch zwischen diesen beiden Vereinen ein Gefühl der freundschaftlichen Zusammengehörigkeit.

Ein über die Vereine reichender Austausch wurde anfangs zu dritt bei persönlichen Treffen, auf Seminaren und später auf Trainerlehrgängen betrieben. Das größte und wichtigste Treffen für vereinsübergreifenden Austausch wurde die „INDES Zusammenkunft“. Die erste Zusammenkunft fand im November 2010 in Salzburg statt, um den im selben Jahr fertig gestellten halbstündigen Dokumentarfilm „Schüler einer vergessenen Kunst“ mit Schwerpunkt auf INDES Salzburg und Ingulf Popp-Kohlweiss zu präsentieren.

Wir schlossen uns Dachverbänden (z.B. Sportunion) an. Neue Trainingsorte wie Wien/Niederösterreich, Kulmbach, für kurze Zeit Hochosterwitz, Regensburg und Wien schlossen sich an. Jeder Trainingsort ist für sich ein eigenständiger Verein verbunden durch eine gemeinsame Beschäftigung.

Waren früher Austausch und Planung von gemeinsamen Aufgaben wie Homepage, Facebook, Trainingssystem etc. noch bei persönlichen Treffen möglich gewesen so war eine Absprache aller Trainingsorte nun meist nur auf der Zusammenkunft möglich. Auf der Zusammenkunft 2016 wurden die zu besprechenden Themen zu viel und es wurde beschlossen rein organisatorische Trainingsorttreffen zu veranstalten. Auf einem dieser Treffen im März 2018 wurde ein die einzelnen Trainingsorte verbindender Verband INDES gegründet.
Und da sind wir nun heute: Ein INDES Verband mit 8 INDES Trainingsorten, jeder mit seinen eigenen Aufgaben und Erfolgen. Wir unterscheiden uns in Zeiten und Häufigkeit der Trainings, Trainerpersönlichkeiten, Hallenausstattung, Ausrüstung, Trainingsaufbau, Vereinsleben und in vielen anderen Dingen. Alle verbinden wir uns durch den Versuch ein Kampfkunsttraining zu betreiben und den teilnehmenden Menschen Lebendigkeit und Entwicklung zu ermöglichen.

Kehren wir zurück und schließen den Kreis mit der Frage: War früher alles besser? Oder sind wir doch heute am Höhepunkt der Entwicklung? Ich möchte diese Fragen nicht beantworten.
Ich habe die Zeit in Dorfers Dungeon sehr genossen, jeden Wrestling Dropkick und Clothesline, Freilufttraining im Winter und bei Schlechtwetter, die Schaukämpfe mit den Soldknechten, die Seminare unter Marcel Dorfer, die kleinen Anfänge bei INDES Salzburg, die Zusammenarbeit mit Graz und Klagenfurt, die Entstehung von INDES Linz und aller späterer Trainingsorte. Die Entstehung des Verbandes. Für mich war es früher gut und heute… ist es anders aber auch gut.

Es hat in den letzten Jahren auch schwierige Phasen in unserer Vereinsarbeit gegeben. Und das ist gut, da man bekanntlich mit der Aufgabe wächst. Viel Hilfe habe ich von Vereinsmitgliedern bekommen, aber auch der Erfahrungsaustausch mit INDES Kärnten und besonders INDES Graz hat mir bei der Erfüllung meiner Aufgaben als Obmann von INDES Salzburg und bei meiner Entwicklung sehr geholfen.

Als Vorsitzender des Verbandes wünsche ich mir, dass unser Verband INDES für die älteren wie auch neueren Trainingsorte und ihre Mitglieder die Plattform für solch unterstützenden Erfahrungsaustausch bietet. In allen Belangen. Miteinander… Füreinander!

– Ingulf Popp-Kohlweiss






Updated: 1. Oktober 2018 — 16:26