USI – 20 Kurse in 10 Jahren – Ein Rückblick

USI – 20 Kurse in 10 Jahren

Ein Rückblick

Dienstag 30.01.2018 Abend 21:40. Ich nehme meine mitgebrachte Mandarine und die zwei Stück Speck aus meiner Tupperware und stecke sie mir genüsslich in den Mund. Selten schmeckt Essen so gut wie kurz nach dem Training. Alle Trainierenden haben die Halle verlassen. Ich bin die einzige Person, die noch da ist. Begleitet von Jozef van Wissem „It is all that is made“, der über die Soundanlage der Halle läuft, denke ich über die letzten Monate nach und schließe für mich den USI Kurs dieses Semesters ab. Bilder von den ersten Einheiten kommen mir in den Sinn: Trainierende, die zum ersten Mal ein Schwert in Händen halten. Huten und Haue, die zaghaft angetestet werden. Die ersten Partnerübungen und die Gruppe, die sich kennen lernt. Vertrautheit, die sich langsam breit macht. Training, das Tempo bekommt, Schweiß, Lachen, Konzentration und Fokus.

Auch wenn das Training ihnen Freude bereitet hat, frage ich mich wie viele von den Neulingen ihren Weg in unser reguläres Vereinstraining finden werden. Nicht alle, das flüstert mir die Erfahrung ins Ohr, weil es im Leben einfach so viel zu tun, auszuprobieren gilt und weil sich immer viel ändert. Über jeden, der seinen Weg zu INDES findet und zu unserem Tun beiträgt, freue ich mich.

Es war der 20ste Usikurs der unter meiner Leitung in Salzburg stattgefunden hat. 10 Jahre ist es nun her und ich denke zurück an 2008, als mir von Richard Klementschitsch vom USI angeboten wurde den Kurs zu leiten. Ich sagte zu, auch wenn es sich damals als große Aufgabe anfühlte und ich nicht ganz sicher war, ob ich sie bewältigen würde. Nicht nur mussten wir 30 Schwerter für die Neulinge beschaffen, auch hatte ich noch nie vor einer solch großen Gruppe unterrichtet. Das USI war sich nicht sicher, ob genügend Leute Interesse zeigen würden und daher beschlossen wir gemeinsam den Kurs im Freien stattfinden zu lassen um Hallenkosten zu vermeiden. Heimo Weilharter, seines Zeichens asiatischer Kampfkünstler, stellte uns dazu das Arial der INSEL – Haus der Jugend zur Verfügung. Der erste Kurstermin kam März 2008 und bei Schneeregen - eigentlich schon fast Hagel  -waren die 30 Teilnehmer des ausgebuchten Kurses im Freien versammelt. Ich glaube ich sagte etwas wie: „Ich würde es verstehen, wenn jemand bei diesem Wetter kneifen und heimgehen würde“. Keiner ging. Das erste Training war eine wundervolle Erfahrung. Und so ist es die Jahre geblieben.

Ich schätze die Anzahl an Menschen die diese 20 Kurse über die Jahre besucht haben. 500 Anmeldungen, so meine Schätzung. Dann mache ich mir die Mühe und durchforste die Listen. 505 Anmeldungen zähle ich. Manchmal zahlt sich das Zählen halt doch nicht aus und die Schätzung könnte genügen. Wenn man sich selbst damit begnügt.

Ich schätze die Anzahl an Trainings, die ich am USI geleitet habe und komme auf 320 Trainingseinheiten. Die Mühe sie zu zählen mache ich mir nicht. Blaue Flecken hat es ein paar gegeben, aber ich erinnere mich an keine Verletzung wegen derer ein Krankenhausbesuch notwendig gewesen wäre. Ich freue mich, weil ich gerne Menschen gesund und glücklich, ungern Menschen verletzt sehe.

Manchmal war es hart ins Training zu gehen. Durch den Regen oder Schnee zu radeln. Manchmal waren wenige Teilnehmer und ich fragte mich, warum ich mir dies eigentlich antue. Manchmal fragte ich mich nach dem Training, was denn da jetzt schiefgelaufen sei und wie man das verbessern konnte. Aus der Ferne betrachtet scheinen aber doch die schönen wohltuenden Momente zu überwiegen.

Ich durchforste unser Fotoarchiv. Ich bin überrascht über unsere Konsequenz: Von allen Kursen bis auf einen haben wir Fotomaterial. Einzig Sommersemester 2011 geht ab. Von den Bildern lachen mir bekannte Gesichter entgegen und es wird mir bewusst, wie lange ich mit manchen Menschen schon einen gemeinsamen Weg teile. Kleinigkeiten verändern sich über die Jahre: Die Holzschwerter werden langsam durch Kunststoff ersetzt. Wir machen eine Mitternachtseinlage auf der USI Gala. Das Soldknechte Logo auf meiner Trainingsbekleidung wird durch ein INDES Logo ausgetauscht. Wir wechseln die Halle. Manchmal machen wir einen Ausflug, ein Fotoshooting oder gehen etwas trinken. Präsentationsmaterial wird angeschafft und verbessert. Das Meiste und Entscheidende bleibt aber gleich: Wir bewegen uns gemeinsam und mit Freude und versuchen eine alte Kunst zu verstehen und in den modernen Kontext zu übertragen.

Menschen kommen und gehen, manche bleiben. Ich fühle Dankbarkeit, diesen Weg mit anderen Menschen teilen zu können. Mit manchen kurz, mit anderen länger. Immer war es mir eine Freude: Denn gemeinsam fühlt es sich für mich leichter an. Manche Gesichter lachen mir jedes Jahr entgegen und ich erkenne meine steten Wegbegleiter: Steffen Becker, der anfangs als Trainierender und nun als Assistenztrainer jedes Semester aufs Neue den USI Kurs begleitet. Constantin Speitel, der jedes Semester bei der Organisation des USI-Turnieres maßgeblich beteiligt war und ist. Ihnen beiden fühle ich mich dadurch besonders verbunden.

Weiters möchte ich dem USI und im speziellen Richard Klementschitsch und Heimo Weilharter für die Möglichkeit dieses Kurses danken. Unser Verein INDES Historische Europäische Kampfkunst Salzburg entstand erst ein Jahr nach dem ersten USI Kurs. Die Teilnehmer der Kurse waren seit Beginn die Mitglieder unseres Vereines. Sie waren der Startschuss. Ohne den Kurs wäre vermutlich vieles anders gelaufen. Wie vermag ich nicht zu sagen. Schließlich bin ich Fechttrainer und kein Hellseher.

Ich wünsche uns allen und den zukünftigen USI Kurs Teilnehmern alles Gute und ebenso erfolgreiche folgende 10 Jahre wie die letzten 10 Jahre es waren. Ich freue mich auf die zukünftigen Besucher und darauf mit ihnen eine gute Zeit zu haben.

Fotorückblick

2017WS

2017SS

2016WS

2016SS

2015WS

2015SS

2014WS

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2013WS

2013SS

2012WS

2012SS

2011WS

2011SS

2010WS

2010SS

2009WS

2009SS

2008WS

2008SS

Updated: 7. Februar 2018 — 14:44