Folgende Literatur können wir praktizierenden historischen Fechtern und allen anderen an diesem Thema Interessierten empfehlen.
André Schulze (Hg.), Mittelalterliche Kampfesweisen. Das lange Schwert. Talhoffers Fechtbuch anno domini 1467 (Mainz am Rhein 2006).Ein hochwertiger und wunderschöner Bildband der Autoren André Schulze und Sandra Fortner zum Thema historisches Fechten, im Speziellen mit dem Langen Schwert. Den Hauptteil der Publikation bilden die Farbdrucke der Tafeln 1 - 67 aus Hans Talhoffers Fechtbuch von 1467 (inkl. Transkription und neuer Übersetzung) mit reich bebilderter Interpretation der Techniken in Wort und vielen Farbfotos. Daneben gibt es zahlreiche interessante Artikel: Gottesurteil in der Gerichtsbarkeit, Geschichten und Geschichte von Fechtmeistern und Fechtbüchern, das Schwert und sein Schüler, Fechtschulen sowie Hintergrundinformationen zu Talhoffers Fechtbuch selbst. Komplettiert wird das Werk durch Basisübungen, ein Glossar und einen Quellenapparat.
In den Artikeln werden zum Teil gewagte und provokante Thesen aufgestellt, nichtsdestotrotz ist das Niveau dieses populärwissenschaftlichen Werkes als durchaus hoch zu bezeichnen - wenngleich ich manche Formulierungen nicht als streng wissenschaftlich konnottiern kann. Neue Ideen und Ansichten werden eingebracht und verleiten zur Auseinandersetzung mit diesen. Der kompetenten Interpretation der Techniken wurde ein Hauptaugenmerk gewidmet. Selbstverständlich sind es Interpretationen und wie der Herausgeber im Buch selbst schreibt, wird kein Anspruch auf alleinige Gültigkeit erhoben. Als Lehrbuch für Anfänger kann ich es nicht empfehlen.
Dieses Buch ist das erste einer Serie von fünfen. Auf die Folgenden kann man gespannt sein!
André Schulze (Hg.), Mittelalterliche Kampfesweisen. Der Kriegshammer, Schild und Kolben. Talhoffers Fechtbuch anno domini 1467 (Mainz am Rhein 2007).Der zweite Band der Buchserie Mittelalterliche Kampfesweisen ist hinsichtlich der Qualität noch besser geworden als der erste, deutlich sogar. Neben den ausgezeichneten Fotos in bester Qualität (sogar auf historisch korrektere Gewandung wurde Wert gelegt) samt Interpretationen - über deren "Korrektheit" man endlos streiten könnte, weshalb gerade auch dazu ein Bereich gewidmet wurde - stechen vor allem die überaus interessanten Artikel hervor. Das Autorenteam wurde deutlich erweitert, Experten aus mehreren Fachbereichen geben ihr Wissen kund und runden das Werk gekonnt ab. Mit Vorurteilen wird aufgeräumt, heilige Kühe werden geschlachtet und kein Blatt vor dem Mund genommen.
Dieses Buch bewegt in der Szene die Gemüter. Auf jeden Fall ist es eine Kaufempfehlung wert!
André Schulze (Hg.), Mittelalterliche Kampfesweisen. Scheibendolch und Stechschild. Talhoffers Fechtbuch anno domini 1467 (Mainz am Rhein 2007).Der nunmehr dritte Band der großen Buchserie über Talhoffers Fechtbuch und verwandte Themen glänzt vor allem durch ein breites Themenspektrum seiner Artikel. Besonders hervorzuheben sind die Artikel über den Scheibendolch und über das Harnischfechten mit dem Tegen. Beim Tafelteil konnte die Qualität der Fotos im Vergleich zu den bisherigen Bänden noch gesteigert werden und auch bei den Interpretationen wurde noch intensiver rekonstruiert. Für Anfänger (und Junglehrer) des historischen Fechtens dürfte besonders der Artikel "Brevier für Anfänger" interessant sein, der leicht lesbar höchst informativ in die Grundlagen des historischen Fechtens einführt. Tipps für Übungen und aussagekräftige Bilder vervollständigen diesen Artikel. So zahlt sich dieses Buch nicht nur für alle Interessierten und fortgeschrittene Fechter, sondern auch für Jungfechter aus!
Insgesamt ist es ein wirklich gut gelungenes Werk, das einen schönen Überblick über das historische Fechten (mit dem langen Schwert sowie mit der Feder) allgemein gibt. Wolfgang Abart präsentiert hier vorrangig sein Fechtsystem, das vor allem, aber nicht ausschließlich auf der liechtenauerischen Tradition fußt. Es werden nicht bloß Transkriptionen bzw. Stücke wie bei vielen anderen (v. a. englischsprachigen) Büchern behandelt, sondern (gerade auch) Grundlagen, die nicht in historischen Fechtbüchern stehen, weil diese vorausgesetzt wurden, was besonders für Anfänger von Vorteil ist!
Die Illustrationen und Abbildungen sind praktisch und eindeutig, lobenswert sind auch die geschickt gesetzten Belege durch Quellenabbildungen aus unterschiedlichsten historischen Fechtbüchern. Der Aufbau ist klar, praktische Übungen sind immer dabei.
Fachlich und didaktisch erweist sich der Autor als absolut kompetent. Das Konzept des Buches ist insgesamt gut gelungen.
Wolfgang Abarts entwickeltes und hier präsentiertes Fechtsystem ist vollständig und konsistent. Er hat zwar eine interessante z. T. eigenwillige Nomenklatur, die aber durchwegs schlüssig ist. Die Übungen zu den erklärten Techniken sind zwar schlüssig, aber oftmals leider ohne sinnvollen Anwendungszusammenhang. Die Fußarbeit sowie die Griffarbeit am Schwert sind aber zu knapp und nicht optimal erläutert. Das Lektorat bei Zabern hat leider teilweise schlampig gearbeitet.
Johannes Graf zu Königsegg-Aulendorf / Andrè Schulze, Der Königsegger Codex.
Die Fechthandschrift des Hauses Königsegg (Mainz am Rhein 2010).

Das Werk umfasst ein Faksimile der Fechthandschrift des Hauses Königsegg, ein Geschenk Hans Talhoffers an seinen Schüler Luitold von Königsegg, sowie einen Begleitband.
Das Faksimile ist von ausgezeichneter Qualität, hardcover gebunden und mit hochwertigem Papier versehen.
Der Begleitband behandelt Hintergründe zur Handschrift, Geschichtliches zu den Grafen von Königsegg sowie diversen Fechtmeistern aus dem 15. Jahrhundert, Spezielles zu Waffen und Ausrüstung (Schwert, Scheibendolch, Spieß, Plattenharnisch, Plattenhandschuh) sowie Analytisches und Pragmatisches über den Kampf (Fechtkonzepte Vor, Nach und Indes, das Wort; eine Analyse des Kampfes Luitolds im Kampfordal). Abgerundet wird das Buch mit dem üblichen und nützlichen Glossar.
André Schulze und seinem Autorenteam ist wieder ein schönes Werk gelungen, das sich mit allerhand Nützlichem zum besseren Verständnis des historischen Fechtens beschäftigt sowie interessantes und detailliertes Hintergrundwissen zum Thema bietet.